Vertrieben aus der Heimat

Die Zeitzeugin

Frau Kässmann wurde in Schambek/Ungarn geboren und ging dort zur Schule. Während des Kriegs musste sie als Älteste ihre vier Geschwister beaufsichtigen und den Haushalt führen, da der Vater im Krieg und die Mutter unterwegs war, um Essen zu organisieren. 1945 wurde sie mit ihrer Familie vertrieben und kam nach Korntal. Schon als 15-Jährige arbeitete sie als Haushaltshilfe, ihre Schulausbildung konnte sie nicht mehr fortsetzen. Bereits 1950 besuchte sie erstmals Verwandte in Ungarn. Bis 1955 waren die Vertriebenen in Baracken untergebracht. Erst dann wurde ihnen ermöglicht, sich ein kleines Häuschen zu bauen.

Zeitzeugeninterview mit einer Ungarn-Deutschen, die erst nach zehn Jahren wieder ein Zuhause hat

Wer gehen musste, legte die russische Verwaltung fest, ebenso, was bzw. wie viel man mitnehmen durfte. Warum sie aus ihrer Heimat vertrieben wurde, verstand die damals 15-Jährige nicht so recht. Mit ihren ungarischen Nachbarn hatte die Familie ein freundliches Auskommen, die ungarische Sprache beherrscht sie heute noch und einen ungarischen Pass besaß sie auch. Wohin der Zug fuhr, wussten die Vertriebenen damals nicht. Sie waren nur froh, dass wenigstens die Familien zusammen bleiben durften. Als die Zeitzeugin 10 Tage später in Malmsheim ausstieg und Platz in einem Übergangsheim fand, wusste sie nicht, dass es 10 Jahre dauern sollte, bis sie wieder unter einem eigenen Dach wohnen würde. Zunächst blieb nur ein Zimmer für die siebenköpfige Familie mit einer Toilette für die ganze Baracke.  
Mit Recherchen im Heimatmuseum Malmsheim, auf dem Gelände des ehemaligen Barackenlagers sowie im Institut für donauschwäbische Geschichte Tübingen informierten sich die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse der Albert-Schweitzer-Realschule Tübingen über die Situation der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst das Interview mit der Zeitzeugin vermittelte, welche Schicksale hinter Flucht und Vertreibung stehen.  

Linktipps der Projektgruppe

  • www.idglbw.de: Das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen erforscht und dokumentiert Geschichte, Landeskunde und Dialekte der deutschen Siedlungsgebiete in Südosteuropa sowie die zeitgeschichtlichen Fragen von Flucht, Vertreibung und Eingliederung der deutschen Heimatvertriebenen.
  • www.hdg.de/lemo/html/Nachkriegsjahre/index.html: Das lebendige virtuelle Museum Online informiert über die Nachkriegszeit und die Potsdamer Konferenz, auf der die Alliierten über die Zukunft Deutschlands entschieden. Informationen sind schnell auffindbar und übersichtlich angeordnet.
  • www.bpb.de: Fast 250 Einträge finden sich zum Thema Flucht und Vertreibung auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier wird deutlich, wie aktuell das Thema heute noch ist und dass die Spuren bis in die Gegenwart wirken.