Kampf für Demokratie

Der Zeitzeuge

Geboren wurde Said Muhammed in Ghana, aufgewachsen ist er in Togo zur Zeit des Diktators Gnassingbé Eyadema. Nachdem er sich als Student politisch engagiert, muss er aus seiner Heimat fliehen. Deutschland, die einstige Kolonialmacht Togos, ist sein Ziel, da sein zur See fahrender Bruder hier eine Bleibe hat. 1993 reist er ein und stellt einen Asylantrag. Sein Studium kann er dadurch nicht fortsetzen, doch er hofft auf Freiheit und Sicherheit. Einer Abschiebung entgeht Said nur knapp. Seine erste Anhörung wurde negativ beschieden, obwohl zwei seiner Brüder in Togos Gefängnissen verschwinden, später ermordet aufgefunden werden. Saids Bemühungen um Asyl in Deutschland ziehen sich über 14 Jahre hin. 2007 erhält Said Muhammed im Zuge der „Altfallregelung“ der Novellierung des Asylrechts eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Deutschland. Bis dahin hat er schon eine Bäckerlehre absolviert und verdient sich seinen Lebensunterhalt längst selbst.

Zeitzeugeninterview mit Said Muhammed, der wegen seiner Forderung nach mehr Demokratie aus Togo fliehen musste

Auf die Frage, wie er sich nach seiner Flucht aus Togo gefühlt hat, antwortet Said Muhammed spontan: „Glücklich, nur glücklich. Jeder war froh, der dieser Hölle entkommen ist.“ Eigentlich hatten die die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse des Tübinger Wildermuth-Gymnasiums auch Wehmut und Trauer erwartet, da er doch seine Großfamilie zurücklassen musste. Ihre Vorstellungen und Kenntnisse über Asyl und Asylanten konnten die Jugendlichen in der Vorbereitung und Durchführung des Interviews mit dem Zeitzeugen überprüfen und vertiefen. Überrascht mussten sie feststellen, wie schwierig ein Asylverfahren ist und welchen Einschränkungen Asylbewerber unterworfen sind.
In ihren Recherchen lernten sie den afrikanischen Staat Togo kennen, der einst deutsche, später französische Kolonie war. Im Gespräch mit dem Zeitzeugen erfuhren sie eindrücklich, wie sehr eine Diktatur ins Privatleben hineinwirkt und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Inzwischen hat sich – nicht zuletzt durch internationalen Druck – die Situation in Togo verbessert. Doch verstehen die Jugendlichen, dass die bisherigen Entwicklungen einem einmal Verfolgten nicht ausreichen. Er hat nach 14 Jahren endlich ein Bleiberecht in Deutschland bekommen hat, fühlt sich hier wohl und als Teil der Gesellschaft. Als Asylant wurde er offiziell nie anerkannt.

Linktipps der Projektgruppe

  • www.amnesty.de: Amnesty International ist wohl die bekannteste nichtstaatliche Organisation (NGO), die sich weltweit für Menschenrechte einsetzt. Sie gründet ihre Arbeit direkt auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, informiert und wirbt um Einmischung. Hier finden sich Länderberichte über die Beachtung der Menschenrechte, so auch über Togo.
  • www.unhcr.de: Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen schützt und unterstützt Flüchtlinge auf der ganzen Welt. UNHCR wurde 1951 von der UN-Generalversammlung gegründet, um Millionen von europäischen Flüchtlingen in der Folge des Zweiten Weltkrieges zu helfen. Heute stehen knapp 21 Millionen Menschen unter seinem Schutz. Der UNHCR hilft nicht nur Flüchtlingen, sondern auch Asylsuchenden und Rückkehrern Groben Schätzungen zufolge sind fast 40 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht.
  • www.info4alien.de: Diese Seite informiert über § 4 des Aufenthaltsgesetzes. Dieses ist als Artikel 1 des am 01.07.04 vom Bundestag und am 09.07.04 vom Bundesrat beschlossen worden. Das Aufenthaltsgesetz löste am 01.01.2005 das Ausländergesetz ab.