„Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben. Dazu brauchen wir einen harten Geist und ein weiches Herz. Wir haben alle unsere Maßstäbe in uns selbst, nur suchen wir sie zu wenig.“ Sophie Scholl  

Zivilcourage ist der Mut hinzusehen und etwas zu sagen, öffentlich Stellung zu beziehen und dabei für eigene Überzeugungen oder für andere (in Not) einzustehen und sich nicht einschüchtern zu lassen. Zivilcourage bedeutet sichtbaren Widerstand aus Überzeugung und gilt als hohe bürgerliche Tugend. Durch Zivilcourage werden Menschenrechte eingefordert und auch umgesetzt.  

Sophie Scholl, die zwanzigjährige Studentin aus Ulm, verteilte zusammen mit ihrem Bruder heimlich Flugblätter, in denen ihre Gruppe (Die weiße Rose) zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufrief. Das totalitäre Regime reagierte mit aller Härte gegen diesen Akt der Zivilcourage und verurteilte die Geschwister zum Tod. Sophie und Hans wussten von diesem Risiko und nahmen es für ihre Überzeugung in Kauf – das ist wohl die höchste Form der Zivilcourage.  

In einer Demokratie ist das Risiko niemals so hoch, da die Menschenrechte von staatlicher Seite anerkannt werden und die staatlichen Ordnungsorgane sie zu schützen verpflichtet sind. Dennoch gehört großer Mut dazu, sich einzumischen und auf Unrecht hinzuweisen oder anderen zu Hilfe zu kommen.    

Wegschauen hat nichts mit Diskretion zu tun

Ob eine junge Frau in der S-Bahn angepöbelt wird, rechte Skins einen Ausländer einschüchtern oder ob Klassenkameraden einen Mitschüler terrorisieren – im Alltag gibt es viele Situationen, die ein bewusstes couragiertes Eingreifen erfordern. Diejenigen, die offen belästigen, einschüchtern und Gewalt ausüben, treten meist als Gruppe auf. Diese Gemeinschaft macht sie stark. Sie setzen sich über geltende Regeln und Werte hinweg. Sie wollen ganz bewusst anderen gegenüber Macht ausüben.  

Ihre Verbündeten sind Gleichgültigkeit, Mitläufer, Scham und Angst der Mehrheit. Oft werden solche Gewaltakte beobachtet, doch unbeteiligte Beobachter halten sich raus. Dieser Mangel an Solidarität mit den Opfern hat nichts mit Toleranz oder Diskretion zu tun, sondern ist Egoismus und Feigheit. Dabei wird verkannt, wie schnell man selbst Opfer werden kann und die Unterstützung anderer braucht.

Man muss kein Superman sein

Es geht vielmehr darum, die schweigende Mehrheit aus ihrer Stummheit zu reißen. Spüren die Aggressoren, dass ihr Tun nicht gebilligt wird und sie mit einer Anzeige rechnen müssen, lassen sie meist von ihrem Opfer ab. Sie sind nur mutig, weil sie keinen Widerstand erwarten.  

Nicht immer sind derartige Situationen für Außenstehende eindeutig erkennbar. Dann sollte man das vermutete Opfer ansprechen und fragen, ob es Hilfe benötigt. Damit signalisiert man, dass die Gruppe nicht unbeobachtet ist, und macht andere Anwesende auf die Problemsituation aufmerksam, sodass man nicht mehr der einzige Zeuge ist.  

Schwieriger ist es, wenn man der einzige Unbeteiligte ist. Dann ist es meist ratsam, Hilfe zu holen bzw. offizielle Stellen zu informieren, was man beobachtet hat. Selbst wenn man einmal eine Situation falsch einschätzt, ist Handeln besser als Wegsehen – jedes gerettete Opfer ist dankbar dafür.  

Die Polizei hat sechs praktische Regeln für mehr Sicherheit zusammengestellt, die unabhängig von einer Trainingsteilnahme, jeder anwenden kann:

  1. Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.
  2. Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.
  3. Ich beobachte genau und präge mir Tätermerkmale ein.
  4. Ich organisiere Hilfe unter Notruf 110.
  5. Ich kümmere mich um das Opfer.
  6. Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung.    

Ziviler Ungehorsam

Menschen besetzten knapp eine Woche ein Feld und wollten damit die Aussaat von Gen-Gerste verhindern. Die Aktion hatte Erfolg und der geplante Freisetzungsversuch mit genmanipulierten Pflanzen wurde abgebrochen. Bei Atommülltransporten ketten sich regelmäßig Atomkraftgegner an Schienen an und blockieren so die Durchfahrt. Sie werden dann von der Polizei losgeschweißt und weggetragen.  

Ziviler Ungehorsam ist der aus Gewissensgründen begangene gewaltfreie Verstoß gegen ein Gesetz, eine Pflicht oder den Befehl eines Staates. Bekannte Beispiele und Namen von zivilem Ungehorsam sind Mahatma Gandhi, der als Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung den gewaltfreien Widerstand gegen die britische Besatzung vorgelebt hat, und die Montagsdemonstrationen im Jahr 1989 in der damaligen DDR.