Wenn Kuscheltiere sprechen könnten, wäre es Chinesisch, und sie würden von heißen, lauten und nicht selten stinkenden Produktionshallen und von überarbeiteten Arbeiterinnen erzählen.    

Artikel 22-26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte schreiben soziale Standards fest und in der Europäischen Sozialcharta sind sie ebenfalls definiert. Damit sind Rechte gemeint wie der Zugang zu Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Bildung, der Schutz vor Armut und Hunger, das Verbot von Kinderarbeit, Arbeitsschutz, die Zahlung eines angemessenen Lohns oder auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Klar ist, dass sich soziale Standards an den Möglichkeiten eines Landes orientieren. Auch in einem reichen Land wie Deutschland wird heftig über Mindestlöhne gestritten oder darüber, was zur medizinischen Grundversorgung und damit Kassenleistung gehören soll. Unabhängig davon gibt es aber die Frage, welche sozialen Standards allen Menschen auf der Erde garantiert werden sollte. Das ist keine abstrakte Frage, sondern sie begegnet uns tagtäglich beim Einkauf von Kleidung made in Taiwan, von Obst aus fernen Ländern oder Spielzeug aus China.

Wunsch und Realität

Die Umsetzung der sozialen Standards ist nicht einfach. Seit Jahren wird z. B. an der Chancengleichheit für Kinder gearbeitet. Musste man früher Schulgeld bezahlen und Schulbücher kaufen, gibt es heute die sogenannte Lehrmittelfreiheit und Schulgeld entfällt. Erst das gibt Kindern aus wirtschaftlich und sozial benachteiligten Familien überhaupt die Chance, aufs Gymnasium zu gehen. Dennoch fehlt es an gezielter Förderung. Kinder mit Migrationshintergrund oder aus einkommensschwachen Familien findet man sehr viel seltener auf Gymnasien als Kinder aus Akademikerfamilien. Mit dem Ausbau von Ganztagsschulen wird nun einerseits versucht, Arbeit und Familie besser zu vereinbaren, andererseits Kinder und Jugendliche gezielter zu fördern.  

Deutschland gehört in der Umsetzung sozialer Standards zu den Vorreitern. Doch in vielen Schwellenländern (Länder, die sich vom Agrarstaat hin zum Industrieland entwickeln wie Indien, China, Südafrika oder Brasilien) sind solche Verstöße gegen die sozialen Standards an der Tagesordnung und werden auf dem Weg zum wirtschaftlichen Aufschwung billigend in Kauf genommen. Nutznießer sind dabei nicht nur irgendwelche Konzerne und Firmenchefs, sondern auch wir, die billige Kleidung, Sportartikel, Kosmetik, Lebensmittel oder Schuhe aus diesen Ländern kaufen. Ein anderes trauriges Beispiel sind illegale Arbeiter, die etwa als Erntehelfer auch in manchen EU-Staaten eingesetzt werden. Ihre Arbeitgeber wissen genau, dass sich die „Illegalen“ nicht über Dumpinglohn und schlechte Unterbringung beklagen, da sie die Ausweisung fürchten und damit der geringe Verdienst, mit dem sie ihre Familien zu Hause unterstützen, verloren ginge. Letztendlich ist hier eine moderne Form der Sklaverei entstanden.    

Kinderarbeit macht hässliche Schlagzeilen

Große Strecken sind für Waren heute keine Hindernisse mehr. Globalisierung bedeutet weltweite Konkurrenz und den Druck, immer billiger und schneller zu produzierten. Große westliche Konzerne lassen deshalb in Fernost produzieren, bezahlen dort niedrige Personalkosten – häufig ohne oder mit nur geringer Sozialversicherung –, müssen kaum Umweltschutz-Auflagen erfüllen und geringe Steuern bezahlen. Soziale Standards werden meist nur auf niedrigem Niveau umgesetzt.  

Andererseits können gerade diese Konzerne dafür sorgen, dass soziale Standards überhaupt eingeführt werden. Sie haben ein Interesse daran, die von ihnen gut ausgebildeten Arbeitnehmer zu halten, ihre Gesundheit zu schonen und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten. Ethische Grundsätze und die Angst vor negativen Schlagzeilen sind zusätzliche Motoren, sich für soziale Standards und die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen. Viele namhafte Unternehmen wie Body Shop, Adidas, Puma, C & A, H & M, Ikea und andere mehr haben sich sogenannte Verhaltenskodices gegeben und Verpflichten ihre lokale Zulieferer zu deren Einhaltung. Das heißt nicht, dass diese Firmen nicht weiter nach Standorten mit noch billigeren Arbeitslöhnen und geringeren Umweltstandards suchen. Trotzdem sind diese Selbstverpflichtungen ein erster Schritt hin zu besseren sozialen Standards. Selbst Stiftung Warentest hat 2004 erstmals soziale und ökologische Kriterien in Testergebnisse von Sportfunktionsjacken einfließen lassen.

Die Macht der Verbraucher

Die Macht der Verbraucher ist groß und damit auch unsere Verantwortung. Es liegt an uns, ob wir nur nach dem Motte „Geiz ist geil“ einkaufen oder uns auch fragen, wie das Produkt produziert wurde oder besser noch, wie es eigentlich sein kann, dass ein Produkt so billig ist.  

Im März 2008 deckt das Magazin „stern" auf, dass der Lebensmitteldiscounter Lidl viele Mitarbeiter durch Videokameras überwachen lässt. Protokolliert wurden private Kontakte, wer wie häufig und wie lange zur Toilette geht und vieles mehr. Nach einem öffentlichen Sturm der Entrüstung und Umsatzeinbußen bat das Unternehmen seine Mitarbeiter per Zeitungsanzeige um Entschuldigung. Am 10.4.2008 kündigte die Konzernspitze dann einen Neustart im Umgang mit Mitarbeitern an.  

Eine andere Möglichkeit ist Produkte aus „fairem Handel“ zu kaufen. Kleinbauern bekommen hier garantierte Mindestpreise für ihre Produkte, die über dem Weltmarktniveau liegen. So verdienen die Bauern genügend, um ihre Familien zu ernähren und gemeinsam notwendige Investitionen im sozialen und ökonomischen Bereich zu tätigen. Beispiele dafür sind Schulen, Apotheken, die Trinkwasserversorgung, der Bau einer neuen Lagerhalle, die Anschaffung von Traktoren oder Weiterbildungsmaßnahmen. Es wird auf umweltverträgliche und schonende Anbau- und Verarbeitungsmethoden geachtet. Immer mehr Produkte aus fairem Handel tragen mittlerweile zusätzlich neben dem TRASFAIR-Siegel das staatliche Bio-Siegel. Fairer Handel läuft ohne Zwischenhändler ab, sodass der volle Erlös den Produzentengruppen zugute kommt. Die grundlegenden Menschenrechte werden eingehalten, und Kinderarbeit ist verboten.  

Mit Aktionen wie „fair spiel“ kann der Verbraucher sogar die Politik großer Konzerne beeinflussen. Das meiste Spielzeug, das in Deutschland auf den Markt kommt, wird in China gefertigt – von westlichen Firmen. „Fair spielt“ (www.fair-spielt.de) verleiht denjenigen Firmen ein Zertifikat (ICTI-Zertifikat), die bei der Herstellung des Spielzeugs auf die Einhaltung sozialer Standards achten. Nimmt der Verbraucher diese Zertifizierung an und kauft nur diese Produkte, beeinflusst er die Umsetzung von Menschenrechten.