Rechtsextreme kommen längst nicht mehr nur mit Bomberjacke und Springerstiefeln daher. Oft tragen sie ganz „normale" Kleidung, geben sich harmlos und freundlich.  

Es gibt nicht „die“ Rechtsextremisten und auch keine einheitliche Definition von Rechtsextremismus – weder international noch innerhalb Deutschlands. Dennoch gibt es zwei Begriffe, die zusammen als Wurzeln des Rechtsextremismus bezeichnet werden können: Nationalismus und Rassismus. Beiden gemeinsam ist die Vorstellung, dass die ethnische Zugehörigkeit zu einer Nation oder „Rasse“ (ein Begriff, der in Bezug auf den Menschen falsch ist) die größte Bedeutung für den Einzelnen hat und über allen anderen Interessen und Werten, auch den Menschen- und Bürgerrechten, stehen.  

Rechtsextremisten sind Gegner des demokratischen Verfassungsstaats. Sie haben ein autoritäres Staatsverständnis (Verherrlichung des „Führertums“), das individuelle Freiheits- und Gleichheitsrechte zugunsten der „Volksgemeinschaft“ zurückstellt. Sie überbewerten die ethnische Zugehörigkeit und leiten aus der Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Nation den Wert eines Menschen ab (Neo-Rassismus oder Ethnopluralismus). Menschen anderer Abstammung werden negativ bewertet und sind in ihren Augen eine Bedrohung für die Reinheit der Volksgemeinschaft. Sie sind Antisemiten, verherrlichen den Nationalsozialismus, leugnen oder verharmlosen NS-Verbrechen und hängen Verschwörungstheorien an. Und sie sind bereit, Gewalt einzusetzen, um ihre Ziele durchzusetzen. Gewalt ist für sie Ausdruck von Stärke – und wer stark ist hat Recht. Allerdings muss man unterschieden zwischen rechtsextremen Einstellungen und Verhalten. Nicht jeder, der rechtsextreme Einstellungen hat, muss auch durch rechtsextremes Verhalten oder Gewalt auffallen.    

Organisierter Rechtsextremismus in Deutschland

1964 gründete sich die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und schaffte in den Folgejahren den Sprung in viele Landtage. 1969 wäre die rechtsextreme Partei fast in den Bundestag eingezogen. In den folgenden Jahrzehnten verlor die Partei aber wieder an Bedeutung. In den achtziger und Anfang der neunziger Jahre gingen „Die Republikaner“ (REP) mit ausländerfeindlichen Parolen wie „das Boot ist voll“ erfolgreich auf Stimmenfang und erlebten 1992 bei der baden-württembergischen Landtagswahl mit 11 % ihren größten Erfolg. Seit 2001 sind die REPs in keinem Landtag mehr vertreten, haben an Bedeutung verloren und werden vom Verfassungsschutz seit 2006 nicht mehr als rechtsextrem eingestuft. Die derzeit stärkste rechtsextreme Partei ist die Deutsche Volksunion (DVU). Ein Versuch, die NPD zu verbieten, ist 2003 gescheitert.

So wie in Deutschland gibt es auch in anderen europäischen Ländern wieder rechtsextreme Parteien und Politiker, die immer hart an der Grenze der jeweiligen Verfassung ihr rechtsextremes Gedankengut verbreiten. Jörg Haider aus Österreich machte 2000 mit seinen ausländerfeindlichen und antijüdischen Parolen seine Partei die FPÖ sogar zur stärksten Partei.    

Rechtsrock und Schulhof-CDs

Sie nennen sich "Brutale Haie" (Thüringen), "Endstufe" (Bremen), "Landser" (Berlin) oder "Zillertaler Türkenjäger" (Niedersachsen) und propagieren mehr oder weniger eindeutig Rassismus, Antisemitismus und Gewalt. Rechtsextreme Musik umfasst Stilrichtungen von der Ballade bis zum Heavy-Metall und vermittelt rechtsextremes Gedankengut durch ihre Texte, verwendete Symbole, die Gestaltung der CD-Hüllen und Musik-Videos. Rechtsextreme versuchen gezielt, mit ihrer Musik Jugendliche zu ködern. 2004 wurden erstmals diese sogenannten Schulhof-CDs verboten und beschlagnahmt. Als Reaktion darauf verschwand die Musik prompt ins Internet. Das Konzept von der Schulhof-CD wurde von der NPD als Werbemaßnahme für Jungwähler nachgeahmt und vom amerikanischen Neonazi-Musiklabel „Panzerfaust Records" aufgegriffen. Unter dem Motto: „Wir unterhalten nicht nur rassistische Kids – wir schaffen sie!" sollten die CDs in den USA an 13- bis 19-jährige weiße Schüler verteilt werden.    

Rechte Symbolik und Outfit

Rechtsextreme fühlen sich meist nur in der Gruppe stark und suchen deshalb Gleichgesinnte. Dabei geben sie sich untereinander durch geheime Symbole, auch „Dresscodes“ genannt, zu erkennen. Dazu gehören spezielle Kleidermarken wie  Consdaple, Masterrace, Walhall Germany, Hatecrime Streetwear, Working Class Streetwear, Celtic Wear und Dobermann. Hier werden bewusst Motive verwendet, die einen Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus herstellen: z. B. Consdaple, aus dessen Wortmitte sich „NSDAP“ herauslesen lässt. Allerdings wehren sich einige der Herstellen heftig, als „Neo-Nazi-Firmen“ abgestempelt zu werden und nicht jeder, der diese Marken trägt, muss automatisch zur rechtsextremen Szene gehören. Manche finden diese Kleidung einfach nur cool und wissen gar nichts von der Symbolik innerhalb der rechtsextremen Szene.  

Auch der NPD-Jugendfunktionär kleidet sich anders als der rechtsorientierte, gegen „Ausländer" gewalttätige Skinhead: Während die einen mit unauffälligen Textilien (z. B. Polohemd) daherkommen, provozieren andere bereits mit einem Härte, Kraft und Aggressivität symbolisierenden Kleiderstil (z. B. Stiefel mit Stahlkappen und Bomberjacken). Doch die Gleichung „Glatze = rechts" geht ebenso wenig auf wie die Gleichsetzung von Springerstiefeln mit rechter Orientierung.    

Sprachcodes

Die wichtigste Kreation rechtsextremer Symbolik ist die Zahlencodierung. Damit drücken Rechtsextremisten Provokation, Angriff und Subversivität aus. Meist richtet sich diese Symbolik an die eigene Gruppe sowie bekannte Feindgruppen. „88" (=HH) steht als Zahlencode für „Heil Hitler", „28“(= BH) für die verbotene „Blood & Honour"-Bewegung. Damit schaffen sich Rechtsextremisten Erkennungszeichen im öffentlichen Raum und vergewissern sich ihrer Stärke, Macht und Durchsetzungsfähigkeit.

Im Sprachgebrauch lehnen sie Anglizismen ab. Das Internet heißt deshalb im rechten Jargon „Weltnetz", geografische Bezeichnungen wie „Mitteldeutschland" werden umgedeutet und zur Bezeichnung von „Volksfeinden" steht ein ganzes Repertoire an diffamierenden Begriffen zur Verfügung.    

Verbote helfen nur bedingt

Die Schulhof-CDs wurden 2004 erstmals verboten und einige Schulen haben Kleidung und Symbole verboten, die als rechtsextreme Erkennungszeichen gelten. Die Frage ist allerdings, wie sinnvoll so etwas ist. Rechtsextremer Gesinnung oder sogar rechtsextremes Verhalten kann man mit Verboten nicht stoppen. Meist nach kurzer Zeit haben sie neue Schlupfwinkel und Symbole für sich gefunden. Das heißt allerdings nicht, dass man dem rechtsextremen Treiben tatenlos zuschauen muss. Wichtig sind Diskussionen zum Thema Nationalsozialismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Demokratie und Menschenrechte. Ein Beispiel dafür ist die Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.