Eine Studie der UNESCO aus dem Jahr 1995 hält fest: Menschliche Rassen gibt es nicht!  

In Deutschland benützen Politiker nur sehr ungern und möglichst gar nicht den Begriff Rassismus. Die Ursache dafür liegt in der Zeit des Nationalsozialismus: Damals vertraten viele Deutsche die „Rassenlehre“, nach der die Arier, zu denen sich die Deutschen zählten, anderen „Rassen“ überlegen wären und einen Führungsanspruch ableiteten. Als minderwertig galten vor allem Juden, sie wurden verfolgt, ausgegrenzt und ermordet. Der Antisemitismus, der spezielle Rassismus gegen Juden, wurde offizielle politische Zielsetzung.  

Die Bundesrepublik Deutschland verurteilt diese Ideologie des Dritten Reichs und distanziert sich davon. Deshalb möchte man den Begriff Rassismus möglichst nicht mehr benützen und spricht lieber von Fremden- oder Ausländerfeindlichkeit.  

Rassismus ist nicht gleich Ausländerfeindlichkeit

Das sieht man schon daran, dass der blonde Eric aus Schweden es bei uns viel leichter hat als der dunkelhaarige Mehmet, der im Gegensatz zu Eric einen deutschen Pass besitzt. Hier geht es um Rassismus und nicht um Ausländerfeindlichkeit – nur Eric, nicht aber Mehmet ist ja ein Ausländer.  

Ausländerfeindlichkeit bezieht sich auf eine feindselige Haltung gegen ausländische Bürgerinnen und Bürger. Rassismus dagegen ist eine Denkweise, die Menschen nach körperlichen oder kulturellen Merkmalen bestimmten Gruppen zuordnet und diesen Gruppen bestimmte unveränderliche Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften zuschreibt. Die Vorstellung, dass jeder Mensch einzigartig und individuell ist, gibt es hier nicht. Beim Rassismus wird ein Mensch danach beurteilt, ob er eine schwarze oder helle Hautfarbe hat, einer bestimmten Religion angehört oder einen bestimmten kulturellen Hintergrund hat.  

Ging man im 18./19. Jahrhundert noch davon aus, dass man die ganze Erdbevölkerung in verschiedene Rassen aufteilen könnte, wissen wir heute, dass das biologisch falsch ist. Genetische Rassenunterschiede gibt es nicht. Zwar ist die Hautfarbe eine augenfällige Unterscheidung, aber nicht entscheidend für Fähigkeiten und Intelligenz. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Begriff „Rasse“ also unsinnig. Das hat die UNESCO so auch auf einer Konferenz „Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung“ am 11.6.1995 festgestellt. Eigentlich könnte oder sollte der Begriff „Rasse“ aus unserem Sprachschatz gestrichen werden, Rassismus als Gedankengut ist aber immer noch lebendig. Der deutsche Pass alleine hilft Mehmet nicht gegen rassistische Anfeindungen, Diskriminierungen oder Übergriffe. Deshalb ist es eine gefährliche Verharmlosung, wenn man statt „rassistisch“ immer nur von „ausländerfeindlich“ spricht.    

Rassismus damals und heute 

Frühe Formen von rassistischer Diskriminierung gab es bereits im antiken Griechenland, im Römischen Reich oder auch im indischen Kastenwesen. Im Mittelalter gab es meist religiös begründete jüdische Ghettos und judenfeindliche Pogrome (Antijudaismus), bei der Entdeckung Amerikas und der späteren Kolonialisierung wurden rassistische Begründungen ins Feld geführt und der Antisemitismus – als rassistische Ausgrenzung von Juden – führte schließlich im 20. Jahrhundert zum Holocaust. Auch heute gibt es Rassismus noch. Das gilt für Deutschland genauso wie für andere europäische Staaten oder anderswo auf der Welt.  

In Deutschland (und nicht nur in den neuen Bundesländern!) kommt es immer wieder zu rassistisch motivierten Anschlägen, zu Schändungen jüdischer Friedhöfe, rassistischer Graffiti und auch zu Gewaltakten bis hin zu Morden.    

Viele Ausschreitungen und Morde wurden in den neunziger Jahren von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen verübt, die der sogenannten Skinhead- oder Neonaziszene zuzurechnen sind. Da in dieser Zeit so viele Asylanten wie nie zuvor in die Bundesrepublik kamen, wurden die Gewaltakte schnell durch die Angst vor Überfremdung erklärt. Gesetzesänderungen im Asyl- und Ausländerrecht sowie der Versuch, ein NPD-Verbot durchzusetzen, waren politische Reaktionen, die aber dem Wiederauftreten rassistischen Gedankenguts nicht wirklich etwas entgegensetzen. Gründe und Ursache für den vorhandenen Rassismus werden noch erforscht. Bisherige Ansätze, die einen Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit und Verwahrlosung junger Menschen herstellten, konnten nicht hinreichend belegt werden. Feststellen lässt sich nur, dass eine größer werdende Gewaltbereitschaft und die Abnahme gemeinsamer allgemeiner Werte den Rassismus begünstigen und junge Männer sich sehr viel stärker zu rassistischem Denken hingezogen fühlen als junge Frauen.    

Neo-Rassismus ist wie der Wolf im Schafspelz

Moderne Rechtsextremisten sprechen nicht von unterschiedlichen „Rassen“, sondern von unterschiedlichen „Völkern“, „Ethnien“ oder „Nationen“. Sie behaupten, verschiedene Völker hätten im Laufe der Geschichte unterschiedliche Kulturen ausgebildet, die strikt voneinander getrennt gehalten und vor fremden Einflüssen geschützt werden müssten. Historisch gesehen ist das natürlich nicht haltbar. In der Menschheitsgeschichte haben sich schon immer unterschiedliche Kulturen gegenseitig beeinflusst und vermischt. Dieser Neo-Rassismus wird auch „Ethnopluralismus“ genannt. Das klingt vordergründig erstmal nicht negativ. Diese „natürlichen Verschiedenartigkeit“ ist aber genau wie der jahrtausendalte Rassismus keineswegs wertfrei.  

Rassismus erklärt die Welt ganz einfach: Menschen lassen sich dann in gut und böse, in besser und schlechter einteilen. Das macht rassistische Parolen so gefährlich und Zivilcourage, gegenseitige Achtung und Offenheit so wichtig.