Menschenhandel und Sklavenhaltung sind kein Relikt aus vergangenen Zeiten oder von exotischen Orten. Deutschland ist mitten drin im Geschäft, denn viele Prostituierte sind Opfer von Menschenhandel. Und die Nachfrage ist groß.  

Wer denkt, Sklavenhandel sei ein Thema von gestern, der irrt. Heute sind sie billig. Viel billiger als ihre Vorfahren im Elend je waren, die auf die Baumwollplantagen des amerikanischen Südens gebracht wurden. Damals war ein Sklave teuer und brachte seinem Besitzer kurzfristig wenig ein. Weil es stets zu wenig Sklaven gab und die Transportkosten im 16. und 17. Jahrhundert extrem hoch waren, galten sie als Investition, die einigermaßen pfleglich behandelt werden musste. Es wäre viel zu teuer geworden, sie zu schnell wegen Krankheit, Unterernährung oder Tod zu verlieren.  

Heute ist das umgekehrt. Das Reservoir an armen und sozial schwachen Menschen ist weltweit so gewaltig, das „potenzielle“ Angebot so groß, dass die heutigen Sklaven immer billiger werden. Selbst einfachste Gesundheitsversorgung ist nicht so wichtig, da sie einfach zu „ersetzen“ sind.  

Man könnte also damit beginnen, den modernen Menschenhandel als das zu bezeichnen, was er ist: Sklavenhandel. Damit werden jedes Jahr mehr als 10 Milliarden Dollar verdient. Dieser moderne Sklavenhandel sollte nicht verwechselt werden mit Menschenschmuggel, bei dem die Betroffenen mehr oder weniger freiwillig die Dienste entsprechender Organisationen in Anspruch nehmen, um über Grenzen und Meere in fremde, vermeintlich reiche Länder gebracht zu werden.  

Kinder und vor allem Mädchen sind besonders betroffen

Doch die Trennlinien sind fließend: Der moderne Sklavenhändler nutzt Täuschung, Zwang, Gewalt und Unwissenheit, um seine Opfer über Grenzen hinweg in verschiedene Formen der Zwangsarbeit zu verkaufen. Sie landen an Bestimmungsorten, von denen sie vorher nichts wussten und gegen die sie sich nicht wehren können: Die Hausgehilfin ist hier noch der harmlosere Job. Oft enden Mädchen und junge Frauen als Zwangsprostituierte und männliche Jugendliche als Kindersoldaten, beraubt aller Rechte und Freiheiten. Sie werden als Kameljockeys, als gemeine Feldarbeiter, in Bergwerken und in Kanalisationen eingesetzt. Sklavenhandel bedeutet hier auch, dass die Opfer vor allem deshalb hilflos sind, weil ihnen Gewalt angetan wird und bei der Familie zu Hause mit Gewalt gedroht wird bei Ungehorsam. Die meisten der modernen Sklaven sind heute unter 18 Jahre alt. Die Übergänge zur Kinderarbeit sind fließend.  

Die US-Regierung schätzt, dass jährlich etwa 600.000 bis 800.000 Menschen Opfer dieses Sklavenhandels werden. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hält sogar zwei Millionen Menschen für realistisch. Ein Großteil dieser Menschen wird innerhalb Asiens gehandelt, dann folgen die USA, Europa und der Nahe Osten, einschließlich Israel. Laut Schätzungen der UN werden mindestens 12,3 Millionen Menschen ständig in irgendeiner Form der Sklaverei gehalten. Das sind mehr als die 10 bis 12 Millionen Afrikaner, die in den 400 Jahren des transatlantischen Sklavenhandels insgesamt nach Amerika verschifft wurden. Der moderne Sklavenhandel hat den alten überholt.    

Heute sind sie billig

Ein transatlantischer Sklave kostete damals umgerechnet 40.000 Dollar. Heute wird ein Sklave oder besser eine Sklavin, denn 80 Prozent dieser verkauften Menschen sind Frauen und Mädchen, laut UN für durchschnittlich 12.500 Dollar verkauft. Davon entfallen etwa 3.000 Dollar auf gefälschte Dokumente, Bestechung von Beamten und Transport, 10.000 Dollar bleiben als Gewinn übrig.  

Deshalb weiß jeder, dass Sklavenhandel weder durch moralische Appelle noch von selbst verschwinden wird, dazu ist er viel zu profitabel. Soll Sklavenhandel wirklich beendet oder wenigstens wirkungsvoll eingedämmt werden, müssen Regierungen weltweit harte Gesetze einführen und diese strikt kontrollieren. Hierzu gehört auch die Ächtung von Waren und Dienstleistungen, die direkt oder mittelbar durch Sklavenarbeit entstehen und in den sogenannten entwickelten Ländern nachgefragt werden. Wichtig ist hier, dass sich vor allem international tätige Unternehmen zu sozialen Standards bekennen.