Fremdenfeindlichkeit

Deutschland ist Reiseweltmeister – wir fahren überall hin, um das Fremde kennenzulernen. Nur im eigenen Land sind die Fremden manchmal nicht willkommen.  

Heute wird häufiger von Fremdenfeindlichkeit als von Ausländerfeindlichkeit gesprochen, von der vor allem in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren die Rede war, als „Gastarbeiter“ aus verschiedenen südeuropäischen Regionen verstärkt nach Deutschland kamen bzw. geholt wurden. Die Begriffsverschiebung hängt damit zusammen, dass nicht jeder Ausländer aber etliche Deutsche als „fremd“ angesehen werden und sich mit Vorurteilen und Diskriminierungen konfrontiert sehen. Ein Jugendlicher mit deutschem Pass und perfektem Deutsch, der türkische Eltern, dunkle Augen, Haare sowie einen dunklen Teint hat, wird als „Fremder“ gesehen, obwohl er kein Ausländer ist. Noch deutlicher wird das bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe oder wenn sie sich in der Tradition ihrer Eltern kleiden, wenn Mädchen beispielsweise das Kopftuch tragen.  

Fremdenfeindlichkeit (oder Xenophobie, Fremdenangst) bezeichnet die ablehnende und feindselige Haltung gegenüber anderen Menschen oder Gruppen, die als fremd empfunden werden. Sie unterscheiden sich durch Herkunft, Nationalität, Sprache, Kultur, Religion oder Hautfarbe von der eigenen Umwelt und das ist ihr ganzer „Fehler“ und Auslöser von Vorurteilen. Fremdenfeindlichkeit kann sich durch Furcht, Abgrenzung, Geringschätzung, Spott oder Feindseligkeit ausdrücken, die bis hin zur Gewalt reicht.    

Das Fremde als Bedrohung

Wird ein junger Mann als Türke wahrgenommen, begegnen ihm bei einer Freundschaft mit einer als deutsch erkannten jungen Frau stärkeres Misstrauen, Zweifel an der Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit seiner Absichten sowie Vorhaltungen gegen die Unterdrückung von Frauen. Dabei könnte sich sehr gut herausstellen, dass der junge Mann deutscher Staatsbürger, die junge Frau aber beispielsweise Amerikanerin ist.  

Das Fremde als Bedrohung wird von rechtsextremen Parteien ganz gezielt für ihre Zwecke genutzt und eingesetzt. Dabei werden fremdenfeindliche Parolen selbst in Regionen eingesetzt, in denen es faktisch kaum Fremde gibt. Hier wird ganz bewusst mit den Ängsten der Bürger gespielt. Auch die Medien sind nicht ganz unbeteiligt an der Ausbildung von Klischees und Vorurteilen. „Fremde“ begegnen uns im Fernsehen und in der Zeitung meistens nur in Verbindung mit Straftaten.

Die Folgen von Vorurteilen

Eine bestimmte Einstellung muss nicht zwangsläufig zu einer bestimmten Handlung führen, wie auch von einer Handlung nicht auf eine grundsätzliche Einstellung geschlossen werden kann. Trotzdem können Vorurteile die Quelle von Diskriminierung sein. Kinder und Jugendliche trifft das häufig bei der Schulwahl: Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwachen Familien bekommen weitaus seltener eine Gymnasialempfehlung als Kinder deutscher Eltern oder aus einkommensstarken Familien. Mangelnde Sprachkompetenz oder fehlende Leistungen liegen bei weitem nicht immer vor.