Zur Fangemeinde von World of Warcraft gehören bereits über 10 Mio. Menschen weltweit. Sie treffen sich allabendlich in Azeroth, kämpfen dort gemeinsam gegen Monster und andere Gegner, treiben Handel und schließen sich in Gilden zusammen. Die Globalisierung ist bei uns auf dem PC angekommen!  

Globalisierung heißt zuerst einmal ganz wertfrei: Die Welt rückt immer näher zusammen, Verflechtungen werden größer. Das gilt für die Wirtschaft genauso wie für Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation und andere Bereiche. Als wesentliche Ursachen der Globalisierung werden der technische Fortschritt, hier vor allem Internet und Flugzeug, und politische Entscheidungen zur Liberalisierung, also Öffnung des Welthandels gesehen.  

Der Begriff Globalisierung ist noch recht jung und stammt aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Viele Historiker sagen aber, dass das Phänomen Globalisierung alt ist. In der Antike bestanden ausgeprägte Handelsbeziehungen in Eurasien, im Mittelalter gab es verschiedene Verflechtungen der einzelnen europäischen Staaten und Herrscher und schon Friedrich Engels sprach 1847 vom Weltmarkt, der Abhängigkeiten der Völker untereinander bedeutet.    

Globalisierung hat viele Gesichter

Kapital und Waren kennen heute kaum noch Grenzen. Ausländische Investoren bringen Geld ins Land, eine Finanzkrise in den USA kommt zeitverzögert garantiert in Europa und Asien an, Deutschland ist Exportweltmeister und Unternehmen werden immer mehr zu Global Playern, zu transnationalen Unternehmen. Wir als Verbraucher freuen uns über exotische Früchte oder über Kleidung, die billig in Asien produziert wird. Unternehmen verlagern Produktionsstätten in Länder mit niedrigeren Lohnkosten oder holen sich Spezialisten aus dem Ausland.   Globalisierung spürt man aber nicht nur in der Wirtschaft. Ein anderes Beispiel dafür ist der stetige Aufstieg des Englischen zur Weltsprache. Auch World of Warcraft und andere Online-Spiele sowie weltweit genutzte Internetseiten sind Ausdruck steigender Verflechtung. Und die Olympischen Spiele werden genauso wie eine Flutkatastrophe in einem abgelegenen Teil der Erde von zig Millionen Menschen weltweit am Fernsehen verfolgt. 

In der Politik sind infolge der Globalisierung und der Erfahrung, dass viele neue Probleme nicht mehr von Nationalstaaten alleine gelöst werden können, neue internationale Organisationen, Vereinbarungen und Verträge entstanden. Dazu gehört die UNO genauso wie die Welternährungsorganisation (FAO), der Internationale Währungsfonds (IWF), Greenpeace, internationale Abrüstungsabkommen oder Weltklimakonferenzen. Sie versuchen alle den Prozess der Globalisierung zu strukturieren, gemeinsam Verantwortung zu tragen und weltweite Probleme vor allem im Umweltbereich, der Wirtschaft, Armutsbekämpfung sowie Frieden und Sicherheit anzugehen.    

Globalisierungsgewinner und -verlierer

Ob Globalisierung Segen oder Fluch ist, ist eine schwierige Frage, die je nach Blickwinkel sehr unterschiedlich beantwortet wird. Ausländische Investoren werden als „Heuschrecken“ beschimpft, die sich gierig über Betriebe hermachen, sie „auffressen“ und später, wenn mit ihnen kein Gewinn mehr zu machen ist, gnadenlos fallen lassen. Oder Konzerne drohen mit Stellenabbau, Werksschließungen und Verlagerung von Produktionsstätte in Billiglohnländer. Ausländische Investoren sind aber nicht selten die letzte Rettung für Betriebe kurz vor dem Bankrott, bringen Kapital für wichtige Investitionen, helfen Arbeitsplätze zu sichern oder schaffen sogar neue.  

Globalisierung kann außerdem Abhängigkeiten schaffen. So hat die UN sich erstmalig im Mai 2008 öffentlich darüber besorgt gezeigt, dass die extreme Armut unter Kleinstbauern in Indien und anderen Ländern durch gentechnisch verändertes Saatgut multinationaler Konzerne verstärkt wird.  

Mittlerweile zeigt sich, dass die Spaltung in Globalisierungsgewinner und -verlieren nicht nur zwischen einzelnen Ländern oder Kontinenten, sondern auch innerhalb der Nationen verläuft. Bei uns in Deutschland sind vor allem Menschen ohne oder mit nur geringer beruflicher Qualifizierung Globalisierungsverlierer. Ihre Arbeitskraft ist in vielen Ländern der Welt billiger zu haben. Insgesamt aber wären unser Wirtschaftswachstum und damit auch unserer Wohlstand ohne die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ nicht möglich.  

Globalisierung kann zu einem Katalysator für mehr Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenrechte oder den Schutz der Umwelt werden. Länder, die der Europäischen Union beitreten wollen, müssen die strengen Umweltgesetze der EU übernehmen und sich zu den  Menschenrechten bekennen und sie nachweislich umsetzen. Das tibetische Volk hat das Interesse der Weltöffentlichkeit und Medien an Olympia 2008 dafür genutzt, um auf die eigene Lage und Menschenrechtsverletzungen durch China hinzuweisen.    

Globalisierungsgegner

Globalisierungskritik stellt selten die Globalisierung an sich in Frage, sondern kritisiert, dass die Globalisierung von Menschenrechten, Demokratie, Arbeitnehmerrechten, sozialen und ökologischen Standards nicht mit der wirtschaftlichen Globalisierung mithalten kann. Ein Sinnbild dafür ist Kinderspielzeug, das durch Kinderarbeit billig in unsere Läden gelangt.  

Zu den grundsätzlichen Globalisierungsgegnern gehören nicht nur autonome Linke, die im Vorfeld von großen Weltwirtschaftstreffen durch ihren Protest auffallen, sondern genauso nationalistische, rechtsextreme Gruppierungen. Sie sehen in der Globalisierung, in Zuwanderern und anderen kulturellen Einflüssen eine Gefahr für den Nationalstaat.    

Globales Lernen als Antwort

Globales Lernen vermittelt fächerübergreifend Wissensinhalte zu Eine-Welt-Themen, zeigt globale Zusammenhänge auf und will zu Weltoffenheit und Einfühlungsvermögen erziehen. Ein aktuelles Beispiel ist die Klimaveränderung. Davon sind alle Menschen und Länder der Welt betroffen. Eine Lösung im Klimaschutz muss weltweit gesucht und von allen mitgetragen werden. Wie schwierig das ist, zeigt die derzeitige Diskussion. Auch Fragen nach der Verwirklichung von Menschenrechten, globaler Gerechtigkeit und nach den Bedingungen für eine friedliche Welt spielen eine wichtige Rolle.