50 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland - Türkei

1961 kommt zwischen Deutschland und der Türkei das Anwerbeabkommen zustande. Dieses besagt, dass Deutschland in der Türkei Arbeitskräfte anwerben kann, um so dem enormen Wirtschaftswachstum gerecht zu werden. Türken konnten sich in der deutschen Verbindungsstelle in Istanbul bewerben und wurden bei Bestehen des Auswahlprozesses anfangs mit dem Zug, später mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht. Ursprünglich war von beiden Ländern vorgesehen, dass die türkischen Arbeiter nach zwei Arbeitsjahren wieder in ihre Heimat zurückkehren und so mit anderen türkischen Bewerbern rotieren. Verschiedene Gründe führten dazu, dass allerdings viele Türken in Deutschland blieben und ab 1973 die ersten türkischen Familienzusammenführungen in Deutschland stattgefunden haben. Heute leben viele der damals angeworbenen Türken in Deutschland und haben längst Kinder, Enkel und Urenkel. 2011 jährt sich das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland zum 50sten Mal. 

In dem Workshop, der vom 09.09. bis zum 11.09.2011 in Ostfildern/Stuttgart stattgefunden hat, wurden genau diese Nachkommen der türkischen Gastarbeiter, besonders die 3. Generation, angesprochen. Ziel des Wochenendes war, dass sich die Jugendlichen mit der Thematik „50 Jahre Anwerbeabkommen“ auseinandersetzen und dabei auch ihre eigene Position in der Gesellschaft reflektieren. Am dritten Tag fand am Nachmittag als Abschluss ein Interview mit Asker Kilic statt. Er kam im Rahmen des Anwerbeabkommens nach Deutschland und lebt seit dem hier. Das ganze Workshopwochenende wurde medial mit einer Fotokamera und einer Filmkamera begleitet, beides wurde von den Jugendlichen bedient. Die aufgenommenen Szenen sind nun in einem Film verarbeitet. 

Begonnen hat das Wochenende am Freitag mit einer Führung im Lindenmuseum Stuttgart. Die dortige Sonderausstellung „Merhaba Stuttgart… oder die Geschichte vom Simit und der Brezel“ beschäftigt sich mit dem Anwerbeabkommen und bot somit für unsere Gruppe den perfekten Einstieg ins Thema. 

Am Samstag haben wir uns im Jugendhaus Zinsholz in Ostfildern getroffen. Gemeinsam wurde der Museumsbesuch reflektiert und mit Hilfe von Diskussionsrunden und Mind-Map-Plakaten das Thema näher beleuchtet. Allerdings darf nicht nur die Vergangenheit wichtig sein, sondern auch die Gegenwart. Die Jugendlichen bekamen daher die Aufgabe, sich gegenseitig zu interviewen und Fragen zu ihrem Leben in Deutschland zu stellen. Die verschiedenen Interviews wurden aufgezeichnet und liefern nun einzelne Bestandteile des Films. Anschließend wurden Fragen erarbeitet, die am Sonntag bei dem Interview mit Asker Kilic gestellt werden sollten. 

Der Sonntag stand im Zeichen des am Nachmittag stattfindenden Interviews. Die beiden Jugendlichen, die die Fragen stellen sollten, übersetzten diese ins türkische und übten den Ablauf des Interviews. Die restlichen Jugendlichen bauten unser „Studio“ auf, probierten wie die Filmkameras am besten stehen und schrieben je einen Begrüßungs- und Verabschiedungstext. Dann war das Interview gekommen. Alles lief prima und die Jugendlichen erfuhren noch mehr zum Anwerbeabkommen und Asker Kilic erzählte zudem persönliche Erfahrungen die er damals und heute in Deutschland gemacht hat. 

Der Workshop fand im Rahmen von dem XENOS-Projekt PASSgenau statt. Unterstützt wurde der Workshop von der Jugendstiftung Baden-Württemberg, KiJu Ostfildern und Young Voice Türkische Gemeinde. Vielen Dank auch an das Lindenmuseum Stuttgart für die tolle Führung durch die Sonderausstellung.